StartseiteDas Märchen der weissen Taube

Eine weiße Taube flog mit ihren Freunden und Freundinnen über das bunte, vielfältige Land. Nichts wollte sie mehr, als nur so, wie jetzt gerade, mit den Freunden in der sonnendurchfluteten Luft fliegen. Es gab kaum einen größeren Genuß als dieses getragene, sonnige, mit Freude Fliegen.

Doch eines Tages wurde ihr bewußt gemacht, daß sie sich einen Platz zum Landen und zum Leben auf der Erde suchen müsse, da es auf der Erde noch einiges für sie zu Tun gäbe. Sie hatte natürlich nichts Anderes im Sinn als das berauschende, betörende Fliegen mit den Freunden.


Man zeigte ihr die Lust.
Die Lust war ganz Gier und Naß und NICHT dieses Schweben und Gleiten der Tauben.

Die weiße Taube beschwerte sich bei ihren Ratgebern.
Und die machten ihr auch gleich ein Geschenk.

Durch das Geschenk des „spürenden Herzens“ konnte die weiße Taube Energieformen und Energiemuster, sowie deren Ergebnis, als Tendenz, erspüren.

Als nächstes riet man der weißen Taube das Geschenk auf der Erde auszuprobieren.

Sie erspürte den ruhenden Pol der wissenden Liebe, umfangend, behütend, beschützend, klar und rein, wie das Wasser einer guten Quelle.

Dies gefiel unserer Taube und sie schaute mit dem Herzen nach der nächsten Erfahrung.

Sie sah das Tollen der Kinder, das Jagen und Toben, das Leicht-Sinnige, wilde Konfrontation bis zur Besinnungs-losigkeit.

Dies war der Taube fremd, sie wollte es jedoch näher kennenlernen.

Doch schon erspürte sie die klar umrissene, starre Haltung der Pflicht und der Ordnung, die in sich die sicheren Grenzen des einwandfreien „sich Beziehens“ birgt. Wände – starr, aber sicher – kalt, aber klar.

Unserer Taube war klar, daß sie dies nicht so sehr genießen, jedoch gut zum Ordnen und Lernen brauchen wird.

Und sie ließ die Sinne des Herzens weiter wandern, erkennend die Bedrohung, das Leid durch Unterdrückung, die Wucht des Unterdrückers auf die Blume des genüßlichen Lebens.
Auch erkannte die Taube den Mut, der wächst um der Unterdrückung zu begegnen; das Wachstum des Unterdrückten bis zur großen Chance der Befreiung.

Freiheit ist die Würze des beengten Lebens.

Die Taube wurde immer Neu-Gieriger auf neue Formen der Gestaltung und deren verschiedene Wachstumsstadien.

Das Herz der Taube spürte Wärme, Nähe, Wohnlichkeit, Heimeligkeit, Nahrung und Ruhe - und in ihr die Neigung zur Trägheit und Bequemlichkeit, zum Ausstrecken und sich Um-Sorgen-lassens.

Doch dann sah die Taube die Zuneigung, die verspielte Liebe einer Freundin, das sich Anlehnen eines Freundes; mit den Diskussionen des sich selbst Erkennens und selbst Behauptens, mit der Mißgunst des nicht erhörten Freundes und der Ablehnung des Unverstandenen.

Die Taube hörte nun die Worte der Ratgeber:
„Koste alles,
zahle deinen Preis.
Lerne alles schätzen
und dann
laß’ los,
denn nur dann wirst du leicht.
Du wirst so leicht,
daß du auch ohne Flügel
fliegen kannst.“

Die weiße Taube landete nun in einem Baum und legte sich dort in ein weich gepolstertes Nest, denn sie war müde geworden.
Sie steckte den Kopf unter den Flügel und begann sofort mit der neuen abenteuerlichen Reise.

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