Mit vier Jahren spürte ich oft einen Konflikt mit meinen Eltern. Ich wäre bestimmt verzweifelt, hätte ich mein kleines Ritual mit dem Wind und dem Gras nicht gehabt. Und das trug sich immer so zu: Wenn ich Trauer verspürte, weil ich nicht mit den Aussagen oder auch Vorwürfen von meinen Eltern klar kam, dann nahm ich mir einen Apfel und zog los.
Ich ging an den Häusern vorbei auf die grosse, freie Grasfläche durch die der Trampelpfad zwischen zwei Stadtteilen verlief, der natürlich auch viele Verzweigungen hatte. Rechts und links von diesem Trampelpfad waren Bombentrichter, die wir im Winter immer zum Schlittenfahren nutzten. Abseits vom Pfad, am Rand eines Bombenloches, da war mein geheimer Platz. Nassfeuchter Sand war dort und es wuchs kein Gras an dieser Stelle. Vom Pfad her konnte man das Loch nicht sehen. Perfekt für mein All-Ein(s)-Sein. Dass mein Geheimplatz nicht entdeckt wurde, ging ich immer in unterschiedlichen, großen Bögen zu ihm hin.
Ich hockte mich in Indianermanier (wovon ich damals nichts ahnte) in diese Erdkuhle und schaute hinunter auf das hohe, wogende Gras, das der Wind immer wieder anders bewegte. Ich hatte am Anfang der Beobachtung der Bewegung des hohen Grases immer noch den Konflikt mit meinen Eltern im Kopf. Nach einiger Zeit war ich nur noch Schauen und bald darauf nur noch die Bewegung des hohen Grases. - Stille - bis auf das Zirpen der Heuschrecken. Dann, nach zwei bis drei Stunden, aß ich meinen Apfel. Und als es dunkel wurde ging ich mit Frieden und der Bewegung des Grases im Herzen nach Hause.
Ich danke meinem Geheimplatz, dem hohen Gras, dem Wind, meinem Vater und meiner Mutter, dass sie mit mir stritten und dem Apfel, der immer so gut schmeckte. ;-))) |
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